Kurzgeschichten

Verschiedene Genres

Wahlen

Schon wieder Wahlen. Dieses Jahr haben wir in Niedersachsen zum zweiten Mal das Glück, wählen zu dürfen und natürlich gehe ich wieder hin. Genau, wie zur Bundestagswahl. Und genau wie bei der Bundestagswahl ringe ich wieder mit der Entscheidung, wem ich meine Stimme geben soll. Ja, ganz richtig, ich wähle nicht einfach dieselben, die ich beim letzten Mal gewählt habe, sondern überlege und prüfe wieder. Erneut lese ich Parteiprogramme, vergleiche Positionen, erinnere mich, wer in der Vergangenheit ... [Weiterlesen] >>

Woher

Die Berührung war kaum zu spüren. Sie hob die Hand und betrachtete die Blase. Deren dünne Haut schillerte in den Farben des Regenbogens. Die Oberfläche war glatt und absolut gleichmäßig in der Krümmung. Ein Querschnitt würde ihr einen perfekten Kreis zeigen. Zufriedenheit flutete durch ihren Geist. Diese Seifenblase war fehlerfrei. Sie spitzte die Lippen, um sie in die Unendlichkeit zu pusten, damit sie sich dem wirbelnden Tanz der anderen Seifenblasen anschließen konnte, die hoch über ... [Weiterlesen] >>

Helges große Story

Er starrte den Zettel an. Das karierte Stück Papier stammte ganz offensichtlich aus einem DIN A5 Heft. Es war achtlos herausgerissen worden. Der linke Rand war gezackt und eingerissen. Die Notiz auf dem Zettel war kaum noch zu entziffern. Man hatte den Zettel zerknüllt und außerdem war er nass geworden. Helge seufzte. Warum schrieben die Leute nicht mit Bleistift? Tinte! Wer schrieb den heute noch mit Tinte? Alles war zerlaufen. Das konnte der beste Restaurator nicht wieder herstellen. Vorsichtig ... [Weiterlesen] >>

Der Bote

Er musste das Pferd nicht antreiben. Es galoppierte wie nie zuvor in seinem Leben. Schweiß färbte das braune Fell dunkel und Schaum flog von den hellen Nüstern. Seine Hufe berührten kaum noch die runden Steine der alten Straße, deren Verlauf man heute mehr ahnte als sah. Hilflos saß Cardiff im Sattel, den Kopf tief über den Hals des Wallachs gebeugt. Das Pferd war vollkommen außer Kontrolle. Es stürmte, verfolgt vom monotonen Klacken der Insektenbeine, irr vor Angst die Straße entlang. ... [Weiterlesen] >>

Zusammentreffen

Nera fiel kein passender Kraftausdruck ein, als ihr Blick das Seil hinauf wanderte. Ganz deutlich sah sie den hellen Strang vor dem dunkleren Hintergrund der Felswand. Kahles Gestein, das über die Jahrhunderte von Staubstürmen glatt poliert worden war. Manchmal war die Nachtsicht der Cybergläser, die fest über ihre Augen implantiert waren, wirklich kein Segen. Sie hatte das Seil an den Resten eines alten Krans befestigt, die über den Felsrand hinaus ragten. Mit drei Knoten, zwischen denen sie ... [Weiterlesen] >>

Der Sweeper

Ich sehe Dich! Das wird das Letzte sein, das du hörst, wenn ich komme um dich zu holen. Und das werde ich. Aber keine Angst, ich zeige mich dir, bevor ich dich auslösche. Ja auslösche, nicht einfach nur töte. Denn du wirst aufhören zu existieren. Nichts wird von dir bleiben. Nicht einmal Spuren im Internet. * Der Donner rollte langsam heran und steigerte sich zu einem ordentlichen Wumms, dem ein greller Blitz folgte. Genau das richtige Wetter um Dead Frontier zu spielen. Isaak verstaute seinen ... [Weiterlesen] >>

Nur eine Bagatelle

Anna stand an den Türpfosten des stillen Kinderzimmers gelehnt und lauschte dem Freizeichen des Telefons. Unvermittelt knackte es in der Leitung. Sie setzte zu sprechen an, aber es war nur eine Bandansage, die sie bat nicht aufzulegen. Der nächste freie Mitarbeiter stünde zu ihrer Verfügung. Sie fühlte das raue Holz des Türpfostens an ihrem Hinterkopf. Der Pfosten brauchte längst neue Farbe. Paul hatte das tun wollen. Sie schloss die Augen, während sie der fröhlichen Musik und der immer ... [Weiterlesen] >>

Therapie

Die Therapie Martha erkannte das widerstrebende Mädchen sofort, das von seiner Mutter durch die Tür geschoben wurde. Langes, mit Henna rötlich gefärbtes Haar und ein trotziges Gesicht. Ein typischer Teenager von fünfzehn Jahren. Sie verließ ihren Sessel hinter dem wuchtigen, alten Schreibtisch und kam Mutter und Tochter entgegen. „Frau Meyer!“ Sie lächelte. „Und du bist Hanna?“ Misstrauisch griff das Mädchen nach ihrer ausgestreckten Hand. Hannas Finger waren warm, wenigstens dort, ... [Weiterlesen] >>

Ein unwillkommener Zaunkönig

Veras Mund war voller Schrauben. Das sah gruselig aus. Matthias betrachtete seine Frau, die noch immer aussah wie Anfang zwanzig. Langes, dunkelblondes Haar, das sie immer wieder mit einem Lockenstab bearbeitete, weil sie sich Locken wünschte, große blaue Augen und der sinnlichste Mund, den man sich vorstellen konnte. Wenigstens wenn er nicht voller Schrauben war. Von unten schaute er auf ihre schlanken Beine und den entzückenden kleinen Bauch. Sie stand ganz oben auf einer Trittleiter, in der ... [Weiterlesen] >>

Frühstück an der Weser

Frühstück an der Weser Ihm war kalt. Er drehte sich auf die Seite und zog die Beine an. Eigentlich war es noch zu früh um aufzustehen. Es war ja noch nicht einmal richtig hell. Andererseits, hier liegen bleiben und erfrieren war auch keine gute Idee. Olsen setzte sich auf und griff zur Flasche. »Hallo Rosso, mein bester Freund«, grüßte er sie. »Verschaff mir die Illusion von Wärme.« Er trank einen Schluck des würzigen Wermut. Es funktionierte. Sein Magen meldete Wärme und der Rest ... [Weiterlesen] >>